Samstag, 18. Juni 2011

Rezension zu "Ein Sommer aus Stahl" von Silvia Avallone



Im Mittelpunkt dieses Romans, der in Italien in der Stahlarbeiterstadt Piombino spielt, stehen die 13 Jahre alten Freundinnen Anna und Francesca. Beide Mädchen sind hübsch und stehen zwischen Kindheit und erwachender Weiblichkeit, beginnen ihre Körper zu entdecken und verdrehen den Männern scharenweise den Kopf. Sie haben Träume von der großen weiten Welt – symbolisiert durch die Insel Elba, die zwar nur wenige Kilometer entfernt von Piombino liegt, aber dennoch unerreichbar scheint. So möchte Francesca Miss Italia werden, Anna eine Anwältin oder Gewerkschaftlerin.  Ihr Alltag besteht hingegen aus dem Strand, dem Leben im tristen Wohnblock in der Via Stalingrado, der Schule und dem schwierigen Verhältnis zu ihren Vätern. Während Annas Vater ein Kleinkrimineller ist, der häufiger für Wochen oder Monate verschwindet, ist Francescas Vater gewalttätig und verprügelt Frau und Tochter. Francescas Mutter betäubt sich mit Medikamenten, da sie es nicht schafft, sich aus diesem Leben zu befreien, und auch Annas älterer Bruder greift zu Drogen, um sich einen Ausgleich zu seinem harten Alltag in der Stahlfabrik zu schaffen. Die Mischung aus Drogen und Gewalt, Sex, Armut und Tristesse macht es schwer sich vorzustellen, die beiden Mädchen könnten diesem Leben jemals entkommen.

Als Anna eine Beziehung mit dem 8 Jahre älteren Mattia eingeht und Francesca entdeckt, dass sie sich nicht zu Männern, sondern zu Anna hingezogen fühlt, scheint ihre Freundschaft für immer zu zerbrechen. Währenddessen nehmen dramatische Ereignisse ihren Lauf…
Obwohl die Sprache des Romans sehr einfach gehalten ist, schafft es die Autorin meisterhaft, Atmosphäre aufzubauen und Orte und Personen lebendig und detailreich zu beschreiben. Man fühlt sich als Leser selber in die bleischwere Hitze des Strandes von Piombino versetzt und schaut sehnsüchtig hinüber zur Insel Elba, wo die Schönen und Reichen leben. Ich konnte das Buch nicht aus der Hand legen, bis ich wusste, ob Anna und Francesca vielleicht doch noch wieder zueinander finden. 

Mein Fazit: Ein sehr schönes Buch für den Sommer und hoffentlich nicht das letzte der jungen italienischen Autorin.

1 Kommentar:

  1. Toller Bericht! :)
    Würde mich über eine Gegenverfolgung freuen: http://pinkchampagneee.blogspot.com/

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