Montag, 17. Oktober 2011

Rezension zu "Frauen" von Steinar Bragi

Über Blogg dein Buch durfte ich mal wieder ein Buch testlesen, und diesmal entschied ich mich für den Roman "Frauen" des isländischen Schriftstellers Steinar Bragi aus dem "Verlag Antje Kunstmann". Ob dies eine gute Entscheidung war, dazu später mehr.

 Der Klappentext des Buches klang jedenfalls sehr vielversprechend:

Die junge Künstlerin Eva Einársdottir trifft sich in New York mit einem isländischen Banker, der ihr eine Förderung ihres nächsten Dokumentarfilms in Aussicht gestellt hat. Es geht ihr nicht gut. Beruflich nicht, und auch privat steht sie vor einem Scherbenhaufen: Hrafn, ihre große Liebe, hat sich von ihr abgewendet und ist zurück nach Island gegangen. Er ist mit dem plötzlichen Tod ihrer kleinen Tochter nicht fertig geworden. Und sie auch nicht. Sie betäubt sich mit Alkohol und Zigaretten und kann nur daran denken, Hrafn wieder zurückzuholen. Im Gespräch mit dem Banker erzählt sie mehr von sich, als sie will, und er bietet ihr an, sein verwaistes Luxusappartement in Reykjavik zu hüten. Ein Glücksfall. Aber als sie dort ist, hat Eva immer mehr das Gefühl, dass man sie in eine Falle gelockt hat. Dass sie das Objekt einer perfiden Inszenierung ist, in der die Grenzen zwischen Realität, Albtraum und Kunst zunehmend verschwimmen. Wie ein Thriller beginnt der Roman des jungen isländischen Autors Steinar Bragi und zeichnet das vielleicht radikalste Bild Islands vor der Finanzkrise – ein Land, in dem unter der Oberfläche des letzten Booms immer das Unheimliche, der Wahnsinn und das Grauen lauern.

Zum Inhalt:
Die junge Künstlerin Eva Einarsdottir, gerade aus New York in ihre Heimat Island zurückgekehrt, bezieht ein Luxusappartment in Reykjavik. Dieses befindet sich in einem verglasten Hochhaus, welches mit modernster Sicherheits- und Überwachungstechnik ausgestattet ist. Sie muss dort keine Miete zahlen, sondern soll die Wohnung der angeblich verreisten Besitzerin hüten, die Katze füttern und die Blumen gießen.
Nach und nach wird Eva misstrauisch, denn es gibt keine Blumen in der Wohnung und der Kater lässt sich kaum blicken. Außerdem erfährt sie wenig später von einer Nachbarin, dass die Vorbesitzerin der Wohnung in Wirklichkeit Selbstmord begangen hat. Und wer ist der Mann in der blauen Windjacke, der sie zu verfolgen scheint? Doch Eva ist zu sehr mit eigenen Problemen beschäftigt (nach dem Tod ihrer kleinen Tochter steht die Beziehung zu ihrem Freund vor dem Aus), um die Zeichen richtig zu deuten.
Plötzlich wird sie in der Wohnung eingesperrt, eine Flucht ist unmöglich. Über ihrem Bett befindet sich ein seltsamer Gesichtsabdruck, eine Art Maske, in der Wand, in der sie Nacht für Nacht ihr Gesicht legen muss. Andernfalls wird sie grausam bestraft, gefoltert und vergewaltigt. In den folgenden Tagen (Wochen? Monaten?) schwankt Evas Verhalten sehr stark. Sie unternimmt einige erfolglose Fluchtversuche, dann wiederum scheint sie sich jedoch mit ihrer Situation abzufinden, betäubt sich mit den reichlich angebotenen Zigaretten, Alkohol und Tabletten und "vegetiert" vor sich hin.
Nach und nach wird enthüllt, wer beziehungsweise was hinter diesen mysteriösen Vorgängen steckt. Ein Performance-Künstler namens Joseph Novak, der extrem frauenfeindliche Ansichten vertritt, hat Eva zum Mittelpunkt seines neuesten "Kunstprojektes" gemacht. Alles, was in der Wohnung vorgeht, wird von Kameras aufgezeichnet. Anscheinend will er damit beweisen, dass Frauen minderwertig sind, nicht zum Schaffen eigener Kunst taugen und es auch ansonsten verdienen, von Männern missbraucht und unterdrückt zu werden.

Mein Leseeindruck und Fazit:
Ich muss gestehen, ich war mehrmals kurz davor, dieses Buch nicht zu Ende zu lesen. Es fängt so harmlos an, und entwickelt sich dann zu solch einem Albtraum. Von den Leiden Evas lesen zu müssen war schon ziemlich unerträglich, doch zu einem späteren Zeitpunkt wird sogar noch ein fünfjähriges Mädchen in die Situation hineingebracht und ebenfalls misshandelt! Selten habe ich beim Lesen eines Buches so viel Ekel und Abscheu empfunden, selten habe ich so viel Frauenfeindlichkeit erlebt.
Warum der Autor dies beabsichtigt, und was er damit über Island aussagen möchte, hat sich mir allerdings nicht erschlossen. Vielleicht weiß ich dazu aber auch einfach zu wenig über die Geschichte und die aktuelle gesellschaftliche Situation dieses Landes. Ebenso ist mir der Schluss unverständlich geblieben. Ich kann daher für mich nur ein negatives Fazit ziehen, und das Buch nicht weiterempfehlen. Einzig der schnörkellose, leicht zu lesenden Schreibstil hat mir an diesem Buch gefallen. Verwundert las ich jedoch, dass das Buch bereits als Meilenstein der isländischen Literaturgeschichte gefeiert wird...

Wer sich von meiner Rezension daher nicht abschrecken lässt und sich seine eigene Meinung über das Buch bilden möchte, kann es hier zu einem Preis von 19,90€ bestellen.

Von mir erhält das Buch zwei von fünf möglichen Sternen.

1 Kommentar:

  1. oh, ich glaub dann hab ich mich wohl für das richtige Buch entschieden. Meins fing ziemlich langweilig an, dass ich es da nicht zu Ende gelesen hätte, wird dann aber dann echt spannend. Schon krass, was manche Leute schreiben, aber wems gefällt.
    Danke für deine Einschätzung, ein Buch weniger, was ich lesen will ^^

    LG
    Icedragon!

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