Sonntag, 20. Mai 2012

Rezension zu "Underground Barbie" von Maša Kolanović

Hallo ihr Lieben, aus dem Prospero Verlag stammt meine heutige Leseempfehlung an euch, denn dieser war so freundlich mir über Blogg dein Buch den Debütroman "Underground Barbie" von Maša Kolanović zur Verfügung zu stellen. Kaufen könnt ihr das Buch übrigens zum Preis von 14€ direkt hier.


Zum Inhalt:
Sloboština ist eine Hochhaussiedlung an der Peripherie von Zagreb. Masa Kolanovićs Protagonistin wächst dort in den achtziger Jahren auf, und wie viele Mädchen auf der ganzen Welt verbringt sie mit ihren Freundinnen etliche Stunden des Tages in der glamourösen Scheinwelt ihrer Barbiepuppen. Anfang der neunziger Jahre drängt sich die politische Realität, der Krieg und Zerfall Jugoslawiens, in die unbeschwerte Kindheit. Bei Luftalarm bringen sich die Bewohner im Hochhauskeller in Sicherheit. Barbies Welt entsteht nun zwischen Einmachgläsern und Rattenfallen, eine ramponierte Ken-Figur vom Flohmarkt wird zum nationalistischen Anführer befördert. (Quelle: MV-Buchhandel)

Die Protagonistin des Romans wächst mit ihrem älteren Bruder bei ihren Eltern in Zagreb auf. Als es 1991 zum Krieg in Jugoslawien kommt, ist sie etwa 11-12 Jahre alt und stolze Besitzerin mehrerer Barbiepuppen - ihr wertvollster Besitz. Während sie und die anderen Kinder (und teilweise auch die Erwachsenen) des Hauses während der Luftangriffe in den Hochhauskeller flüchten, müssen die Barbies natürlich mit - inklusive Kleider und Möbel. Gemeinsam mit ihren Freundinnen denket sich das Mädchen die skurielsten Barbiespiele aus, die mit dem Fortschreiten des Krieges immer blutiger und grausamer werden. Ein "Grand Prix"-Spiel endet in einem Blutbad, in einem anderen Spiel werden mehrere kopflose Barbies in einem Massengrab verscharrt. Und als neue Präsidentin wird nicht die Puppe gewählt, die die realistischsten Versprechungen macht, sondern die mit dem glamorösenten Outfit und Auftreten - ganz wie in der realen Politik. So zeigt dieses Buch auf ungewöhnliche Weise das Ende einer Kindheit; wobei man den Eindruck hat, das Spiel hilft den Kindern auch, die grausame Kriegsrealität ein Stück weit zu verarbeiten.

Dieses Buch hat mich sehr angesprochen, da ich ein paar Parallelen zu meiner eigenen Kindheit ziehen konnte. Ich bin zufällig der gleiche Jahrgang wie Maša und habe auch zur gleichen Zeit mit Barbies gespielt wie sie - zwar gott sei Dank nicht während eines Krieges, aber vor und nach der Wende, die das Leben in Ostdeutschland innerhalb kürzester Zeit ebenfalls sehr stark verändert hat. Ihre Schilderungen vom Ende der Pionierära konnte ich daher genauso nachvollziehen wie die Beobachtung, dass immer das Mädchen "das Sagen" hatte, welches die meisten/schönsten Barbiepuppen und das entsprechende Zubehör besaß. Sehr berührt hat mich, wie nach und nach in das harmlose Puppenspiel immer mehr "Krieg" einzieht, wie die Spiele immer brutaler verlaufen und so die Kriegsrealität wiederspiegeln. Dies ist bei mir zum Glück nicht so gewesen.
Ein wie ich finde sehr gelungenes Buch, recht kurz (nur 212 Seiten und zusätzlich mit vielen Bildern gestaltet) und daher an einem Nachmittag zu lesen. Von mir gibt es 4 von 5 möglichen Sternen!

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